Wenn man über die „Strategie“ eines Trainers spricht so versteht man in klassischer Weise, dass sich durch langfristige Verhaltensweisen gesetzte Ziele bei jemandem anderen erreichen lassen. Ich sehe dies ein wenig detaillierter, denn es kommt meiner Meinung nach immer darauf an, wer und wie die Ziele festlegt worden sind, wie realistisch diese sind und in welcher Phase man am Weg der Erreichung steht.
In meinem Fall war dies am Beispiel von Jasmin Ouschan doch ziemlich einfach.
Zu Beginn, also im Altersbereich von 6 bis 12 oder vielleicht 14 Jahren, lag der Schwerpunkt darin, einfach den kindlichen Spieltrieb zu fördern, die Wettkampfsituationen nicht überzustrapazieren, sondern einfach die Freude an den bunten Bällen zu befriedigen. Natürlich, und dies könnte man sicherlich als die erste „Strategie“ bezeichnen, lag der Fokus auf der Ausbildung einer sauberen und vor allem stabilen Stoßtechnik, welche ja im Kindesalter durch die Wachstumsschübe einem permanenten Wechsel unterzogen ist. Weiters, aber dies musste man einer schon damals für jede Ballsportart zu habenden Jasmin nicht zweimal sagen, lagen die Ausrichtungen auch in der Ausübung anderer Sportarten, um einerseits das Ballgefühl und koordinative Fähigkeiten auszuprägen und um anderseits für den notwendigen Ausgleich des körperlichen Stützapparates zu sorgen.
In der zweiten Phase, die Planungen wurden konkreter, das Training und die Wettkämpfe häufiger, galt es erstmals den zukünftigen Weg der Sportlerin und ihre Ziele im groben abzustecken und einfließen zu lassen um daraus die zu folgernden Schritte zu setzen.
Schritte wie der Besuch eines Gymnasiums, dessen Ausrichtung insbesondere auf sportlichen Schwerpunkten lag, oder die Aktivierung eines Fremdsprachenverständnisses, aber auch dafür Sorge zu tragen, dass die so wichtige Persönlichkeitsentwicklung abseits vom Sport nicht zu kurz kommt.
Aus diesen langfristigen Verhaltensweisen eines Trainers folge fast selbstredend der Wunsch der Sportlerin ihre Passion nach dem erfolgreichen Schulabschluss zum Beruf zu machen. In dieser dritten Phase wechselt nun mein Strategieverständnis dahin, dass eine klare Zielvorgabe seitens der Sportlerin erreicht werden muss, um mitverantwortlich bei der Realisierung des selbst gesetzten Zieles sein zu können.
Profi zu werden ist ja zugegebener Weise leicht, doch Profi über längere Zeit zu sein ist eine andere Herausforderung, der wir derzeit die ganze Aufmerksamkeit widmen. Dies mit den tragenden Säulen nicht nur sportlich erfolgreich zu sein, sondern auf Basis einer gesicherten stabilen Existenz auch der persönlichen Weiterentwicklung, abseits vom Tisch und Bällen die soviel bedeuten, Platz zu bieten.
Wichtig für den bisherigen und auch weiteren Weg ist es uns zu zeigen, dass man auch in einer „Randsportart“ mit dem entsprechenden Einsatz ein Risiko in Kauf nehmen kann indem man neue, noch nicht ausgetretene Wege geht.
